Notkaiserschnitt bei vorzeitiger Plazentalösung

Baby an Brust der Mutter

Eine vorzeitige Plazentalösung tritt in Folgeschwangerschaften nach Kaiserschnitten etwas häufiger auf, als ohne Kaiserschnitt in der Vorgeschichte. Désirée erlebte diese schwere Komplikation bei der Geburt ihres 2. Kindes.

Hier berichtet Désirée über diese Geburt.

Mein Sohn wurde im Oktober 2015 nach zahlreichen Interventionen nach 13 Stunden Wehen, per sekundärer Sectio geboren. Er lag als Sterngucker, was mir immer wieder als Ursprung der aufgetretenen Probleme verkauft wurde. Im Nachhinein waren wohl eher die Interventionen der Ursprung allen Übels. Ich hatte Gott sei Dank eine PDA, unter der der Kaiserschnitt durchgeführt wurde. Wenigstens was.

Das Gefühl versagt und aufgegeben zu haben

Ich habe lange gebraucht, um mit dieser weg genommenen Geburt zurecht zu kommen. Das Gefühl versagt und aufgegeben zu haben und die Angst um mein Kind kamen immer wieder hoch. Dennoch war mir schnell klar, dass ich auf jeden Fall ein weiteres Kind möchte und es auf jeden Fall natürlich zur Welt kommen soll.

Als ich am ersten Geburtstag meines Sohnes einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, wurde schnell klar, dass die erste Geburt lange nicht verarbeitet war und ich es jetzt unbedingt anders möchte.

Beim nächsten Kind wird alles anders

Auf der Suche nach einer Hebamme stieß ich auf die VBAC-Facebookgruppe und entschied mich mein Kind im Geburtshaus zu bekommen. Nach langem Hin und Her fand ich tolle Hebammen, die mich unterstützten und an mich glaubten meinen Wunsch nach einer spontanen Geburt durchsetzen zu können.

Ich wünschte mir mein Kind frisch geboren auf meine nackte Brust zu bekommen und erst dann abzunabeln, wenn auch die Plazenta geboren ist. Das war alles was mir wichtig war.

Ich las Bücher wie „Meine Wunschgeburt“, „Das Geburtsbuch“ und „Positive Birth“.

Während der Schwangerschaft las ich viel in der Community und schöpfte jede Menge Mut und Vertrauen. Ich machte Schwangerschaftsyoga und Gymnastik,, geburtsvorbereitende Akupunktur, trank jede Menge Tee, machte Dampfsitzbäder und las Bücher wie „Meine Wunschgeburt“, „Das Geburtsbuch“ und „Positive Birth“. Mit dem Thema, was ist wenn es nicht klappt, habe ich mich sehr sehr wenig beschäftigt, außer dass ich mich für den Fall einer Verlegung im Klinikum angemeldet hatte. Mein worst Case Szenario war immer ein Kaiserschnitt in Vollnarkose. Aber das war nicht mein Thema und es interessierte mich auch nicht.

Dann kam ganz plötzlich alles anders.

An Fronleichnam, bei 39+1 ssw, genossen wir einen tollen Familientag bei herrlichem Sommerwetter. Am Abend entschieden wir uns spontan gemütlich mit Freunden und deren Sohn zu grillen.

Die Jungs spielten im Garten und wir genossen diesen schönen Abend. Die Männer räumten den Tisch ab und gaben mir die Anweisung sitzen zu bleiben und mich zu entspannen. Das tat ich.

Auf Toilette sah ich dann Blut in meiner Unterhose.

Auf einmal spürte ich, dass ich im Schritt nass wurde und dachte erst, Oje die Fruchtblase ist geplatzt, oder ich kann Urin nicht halten. Auf Toilette sah ich dann Blut in meiner Unterhose. Ich ging direkt zu meinem Mann und sagte ihm was passiert war und dass wir reagieren müssen.

Noch auf dem Weg zu ihm in die Küche, spürte ich wie es anfing richtig zu laufen. Ich bat unsere Freunde noch zu bleiben und auf unseren Sohn aufzupassen. Während ich mit mir und dem ganzen Blut beschäftigt war, rief mein Mann die diensthabende Hebamme an um nach Rat zu fragen. Ich weinte nur noch und konnte vor Angst nicht reden.

Meine naive Hoffnung war, dass das der Start unserer schönen Geburtsreise war. Sie fragte ob es periodenstark ist oder ob es läuft. Es lief. Sie sagte wir sollen direkt den Notarzt rufen und ins Krankenhaus fahren.

Sie hofft dass es nichts ist und wir uns später im Geburtshaus treffen. Um 20.17 Uhr rief mein Mann den Notarzt, der auch sehr schnell da war. Zwischenzeitlich beruhigte mich mein Mann, hielt mein Gesicht und atmete mit mir. Ich streichelte meinen Bauch und atmete immer wieder tief zu meiner Tochter und konzentrierte mich auf die Kindsbewegungen. Als ich sie ganz leicht spürte, war ich erleichtert. Aber sie war sehr ruhig.

Der Notarzt trifft ein

Als dann der Notarzt eintraf, standen nun 4 Männer vor mir und nahmen sich meiner an. Maßen Blutdruck und versuchten die Herztöne meiner Tochter mit dem Stethoskop zu finden. Durch die Vorderwandplazenta war das nicht möglich und ich würde noch nervöser. Letztlich nahmen sie mich mit Blaulicht und Sirene mit.

Da meine Schwiegermutter noch auf dem Weg zu uns war, bat ich meinen Mann noch auf sie zu warten, damit es für den kleinen nicht ganz so dramatisch ist. So könnte mein Mann ihn noch an die Oma übergeben und musste nicht so hektisch auf beide Eltern verzichten. Er weinte ganz arg und hatte Angst um mich. Das war schlimm. Meine Freundin hatte ihn auf dem Arm als ich mich verabschiedete und erklärte ihm, dass das Baby jetzt bald kommt. So ein Quatsch, dachte ich. Da kommt jetzt kein Baby.

Das Herz schlägt

Auf dem Weg in die Klinik bekam ich direkt einen Zugang und Blut abgenommen. Routinemäßig. Falls etwas wäre und es schnell gehen muss.

In der Klinik angekommen, wollte ich so schnell wie möglich wissen wie es dem Baby geht. Eine Ärztin machte Ultraschall und sagte mir, dass das Herz schlägt und sie nach der Plazenta schaut. Mittlerweile waren 4 oder 5 Ärzte, inklusive Oberarzt im Raum. Er schallte auch und meinte er sei sich nicht sicher, er sieht leichte Schatten an der Plazenta.

Dann sollte ich mich ausziehen und sie untersuchten mich. Beim ausziehen meiner Hose erschrak sich die Ärztin wie viel Blut es ist und meine nur, Koagelabgang. Die Untersuchung war extrem schmerzhaft und grob. Der Oberarzt sagte, panisch dass das Blut von oben kommt und rannte aus dem Untersuchungszimmer.

Vorzeitige Plazentalösung: Ich wurde rennend zum OP gefahren

Auf meine Frage was denn sei, er soll mir sagen was jetzt los ist, antworteten mir beide nur, dass sie jetzt sofort mein Kind holen müssen! Verdacht auf Plazentalösung. Ich kletterte auf eine Liege und wurde rennend zum OP gefahren.

Die Lichter an der Decke zogen an mir vorbei, ich war halb nackt und ich weinte nur noch. Eine Hebamme forderte mich immer wieder auf zu atmen.

Dann stand ich da, genau vor dem selben OP wie vor knapp 20 Monaten und dachte nur, scheiße, das darf doch nicht wahr sein. Warum ich? Warum ausgerechnet ich? Im OP hörte man hektisches Gewusel und das klappern der Instrumente. Als ich dann im OP lag, mit Sauerstoffmaske auf Mund und Nase, fragte ich noch ob die Vollnarkose denn sein muss, ich will das nicht. Die Antwort war lediglich, wir haben keine Zeit und dann war ich auch schon weg. Um 21.11 Uhr war meine Tochter geboren.

Es geht ihr gut

Als ich wieder aufwachte, würde ich durch den Flur geschoben und fragte panisch nach meinem Mann und meinen Kind. Man beachte mich zu ihnen. Mein Mann erreichte das Krankenhaus ein paar Minuten nach der Geburt unserer Tochter. Völlig ahnungslos.

Er fragte nach mir und bekam zur Antwort dass es uns beiden gut geht, ich aber noch im OP bin. Er realisierte was passiert sein musste und bekam auch gleich unsere Tochter zu sehen. Als ich zu meinem Mann gebracht wurde, bekam ich unsere Tochter in den Arm gelegt und fragte ob es auch meine Tochter wäre und welchen APGAR sie hatte -9/10/10.

Gott sei Dank, es geht ihr gut. Ich kann mich nicht mehr an sie erinnern, nur dass sie eine Mütze auf hatte. Der Anästhesist teilte mir mit, dass er mich jetzt in den Aufwachraum mitnimmt. Ich protestierte lautstark, dass ich ohne Mann und Kind nirgends hin gehe. Ich musste und rief meinem Mann hinterher, dass sie keine Flasche bekommen darf. Aus den geplanten 2-3 Stunden wurde nicht mal eine Stunde.

Endlich kuscheln

Gegen 23.00 Uhr war ich dann endlich bei den beiden und durfte mein Kind kennenlernen, kuscheln und stillen. Sie war perfekt. Mein Mann konnte sich erfolgreich gegen die Flasche wehren. Er ließ die kleine an seinem Finger saugen und kuschelte mit nacktem Oberkörper mit ihr. Ich war so stolz auf die beiden.

Mein absoluter worst Case ist eingetreten. Aber ich bin so wahnsinnig dankbar, dass wir beide gesund und am Leben sind. Im Nachhinein erfuhr ich, dass die Plazenta bereits vollständig abgelöst und überall Hämatome waren. Diese sectio und auch die Vollnarkose war unsere einzige Chance zu leben.

Meine physischen Schmerzen sind überwunden….

Jetzt sind fast 6 Wochen vergangen. Die kleine hat alles super weg gesteckt. Sie ist sehr ausgeglichen und völlig gesund. Meine physischen Schmerzen sind überwunden und an den seelischen werde ich noch etwas arbeiten müssen. Aber mich belastet lediglich die Angst, nicht das Gefühl versagt und aufgegeben zu haben.

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12 SCHRITTE ZUR GEBURT NACH EINEM VORHERIGEN KAISERSCHNITT
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