Natürliche Geburt nach einer Uterusruptur

Ingas Geschichte hat mich zutiefst berührt. Danke, das ich sie hier teilen darf. Inga hat nach ihrem ersten Kaiserschnitt in der zweiten Schwangerschaft eine Uterusruptur erlebt. Beim 3. Kind gelang es ihr, eine natürliche Geburt anzustreben. Aber lies selbst:

Was machen Kaiserschnitte aus einer Frau? Was machen sie mit einer Seele? Mit einer Familie? Mit den Kindern?? Mit dem ganzen Leben?

Das ist schwer zu beantworten. Es gibt Kaiserschnitte, die sind notwendig und lebensrettend. Davon hatte ich einen. Dazu später mehr.

Dann gibt es leider auch Kaiserschnitte, die sind unnötig. Davon hatte ich einen. Dazu später mehr.

Und dann gibt es eine spontane, natürliche Entbindung. Mal ist sie schön und komplikationslos und mal eben nicht. Oder sie ist es und wird trotzdem als schwierig und anstrengend oder als schrecklich empfunden. Meine war schön. Nicht so wie ich dachte, aber schön.

Dazu später mehr.

Ich bin jetzt 35 Jahre alt und Mutter von 3 Jungs.

Mein erster Sohn, Emil, entstand als absolutes Wunschkind in meiner Hochzeitsnacht. Unglaublich romantisch. Nun ja, vor allem betrunken. Wem will ich was vor machen?

Als ich den Test machte, stand mein Mann auf dem Messegelände einer chinesischen Metropole und wunderte sich sehr über meinen tränenreichen Anruf, in dem ich ihm unser großes Glück verkündete.

Laut Onlinerechner und später auch laut Gyn sollte Baby 1 (damals nahmen wir an, wir bekämen eine Sanya Carlotta) am 24.12.2013 das Licht der Welt erblicken.

Meine Schwangerschaft war schön. Bis zur 24. Woche.

Dann wurde ein massiver insulinpflichtiger Gestationsdiabetes diagnostiziert.

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Ich maß mindestens 8 mal täglich meinen Blutzucker, spritzte mindestens 4 mal täglich Insulin, verbot mir alles was ich gerne aß und saß es aus.

Für mein Baby. Mein absolutes Wunschkind. Meinen Emil!

Später kamen noch diverse Rückenprobleme dazu, die Schwangerschaft wurde langsam eine Last. Trotzdem bat ich nie darum, sie zu beenden. Ich genoß jede Minute. Jeden Tritt unter die Rippen, gegen die Leber und die Blase. So ein fantastisches Gefühl!

Und dann kam der Tag. Es war der 27.11.2013.

Der Tag an dem die Chefärztin eines hiesigen Krankenhauses mir mitteilte, dass mein Baby makrosom wäre. Man müsse es auf jeden Fall früher holen.

Was??? Warum??? Das Ultraschallgerät sagte doch eben was von 3500g??? Das ist doch nicht schwer???

Ja, aber ich hab ja noch ein paar Wochen… Das Baby hätte jetzt schon bestimmt 4kg, warten bis 38+0 und wir wären bestimmt bei 4500g. Das würde ich nicht schaffen!

Ich wollte einleiten lassen. Ich bettelte und heulte. Aber sie ließ es nicht zu. Es kam der ultimative Satz, der k.o. Schlag, das Aus für meinen Traum: „Sie können das probieren! Aber ich sage Ihnen eins: So wie Ihr Bauch aussieht wiegt das Kind bestimmt 4500g. So wie Ihr Becken aussieht passt das im Leben nicht dadurch.

Sie können das probieren. Aber dann werden Sie mit Sicherheit ohne Kind nach Hause gehen!

Es wird im Becken steckenbleiben und Sie werden es verlieren!“ ich war dumm, ich war naiv, ich war gutgläubig. Ich vertraute dieser Frau. Leider! Am 11.12.2013 war es soweit.

Morgens um 8 Uhr hatten wir den Termin. Um 6 sollte ich dort sein. Ich war auch da. Nur einen OP gab es nicht. Ständig wurde ich vertröstet. In 2 Stunden hieß es. Immer wieder. Ich lag dort mit meinem Diabetes, um 14 Uhr war mein Blutzuckerspiegel bei 35. Gegessen hatte ich nichts.

Mein Mann bat schließlich um eine Lösung. Ich zitterte und heulte.

Rückblickend hätten wir spätestens an dem Punkt gehen sollen.

Aufstehen und gehen. Sind wir aber nicht. Nein, wir warteten auf mein Elend. Bis es dann endlich so weit sein sollte. Unter Tränen und Panik wurde ich in den OP geschoben, mit Gewalt nach unten gedrückt und bekam die Spinalanästhesie.

Warum darf mein Mann nicht da sein?? Warum musste ich das alleine machen???

Ich hasste diesen Moment so sehr! Dann kam er endlich dazu. Ich war festgeschnallt. Die Arme von mir gespreizt und angebunden wie Jesus am Kreuz.

So fühlte ich mich auch. Ausgeliefert und gefesselt.

Um 18:17 Uhr wurde Emil geboren. Er wurde geboren?? Er wurde auf die Welt geholt. Aus meinem Bauch geschnitten. Unnötig. Emil erblickte das Licht der Welt mit 53cm, 3380g und einem Kopfumfang von 36cm. Makrosom.

Bonding war ein Fremdwort in dieser Klinik. Man nahm ihn mit in einen anderen Raum, er wurde untersucht, gewaschen und angezogen. Dann wurde er mit meinem Mann in einen warmen Raum gebracht.

Ich wurde genäht. Ich fühlte mich leer, einsam und verlassen.

Da begann die Leidensgeschichte von meinem Wunschkind und mir. Mein Mann wollte ihn mir geben. Nein! Ich will ihn nicht! Alles ist taub. Ich fühle ihn nicht. Behalte du ihn. Ich kann das jetzt NICHT. Stillen? Das reicht doch morgen, sagten die Schwestern. Mir fehlten die Bewegungen im Bauch. Ich war mit der Schwangerschaft nicht fertig.

Ich liebte ihn, aber irgendwas war falsch.

Ich konnte es damals nicht in Worte fassen. Das dauerte 4 Jahre…

Ich stillte Emil. Unter Tränen und kämpfen mit blutigen Brustwarzen und vielen Problemen. Aber DAS wollte ich schaffen.

Wenigstens das. Aber ich durfte nicht. Nach 8 Wochen kam der Wiederholungstest beim Diabetologen.

Ergebnis: Typ2 Diabetes. Ich muss Metformin nehmen. Dafür muss ich abstillen. Wieder weinte ich, bettelte ich, jammerte ich. Zögerte schließlich hinaus. Aber nach 4 Monaten voll Stillen gab ich auf. Ich stillte ihn ab. Wir entfernten uns noch ein Stück.

Das Kind in meinen Armen, mein Wunschkind. Aus dem Bauch geschnitten, das Abbild meines Mannes, abgestillt mit 4 Monaten, es war mir fremd. Und das tat so unsäglich weh!

Der 27.11.2013. Der Tag der das erste Mal meine Liebe zerstörte.

Am 27.11.2014 war der erste Tag meiner zweiten Schwangerschaft.

Lustiger Zufall, oder?

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Ich erfuhr von dieser Schwangerschaft am 24.12.2014. Der Eisprung war laut Persona am 11.12.2014. Ach ja, was für ein Zufall.. Unser Weihnachtsgeschenk. Wir freuten uns! Jubelten! Emil streichelte meinen Bauch, freute sich auf Carlotta, die später ein Linus werden sollte…

Die Schwangerschaft verlief eigenartig. Von Anfang an hatte ich ein komisches Gefühl.

Blutungen in der Frühschwangerschaft, Alpträume und immer dieses unsäglich schlechte Gefühl bei der Sache.

Meine Ehe wankte, wir machten eine Therapie. Nichts wollte richtig laufen.

Im Sommer bekam ich so komische Schmerzen. Unten links, in Narbennähe.

Nicht schlimm, aber immer mal wieder ein kurzer heftiger Stich.

Ich hatte Augenringe, ständig Schmerzen, ein Kleinkind das mich forderte, eine Chefin die mich mobbte, einen Mann der nie da war… kurzum, ich fand es schrecklich!

Dabei sollte das doch eine schöne Schwangerschaft werden!

Am 25.07.2015, mein Mann war in Norwegen und nur schlecht telefonisch erreichbar, musste ich mal zur Toilette. Durchfall, dachte ich. Aber nein, kein Durchfall.

Blut! Literweise Blut!

Ich feierte gerade meinen Geburtstag nach. Meine Mutter war da und spielte mit Emil. Wir hatten uns gerade gestritten. Meine Schwiegermutter ging kurz mit dem Hund. Meine Freundin und Nachbarin war kurz einkaufen.

Ich saß auf dem Klo. Sah das Blut, gefror, heult und schrie, war einsam und brauchte meinen Mann.

Aber er war nicht da! Er hatte mich alleine gelassen! Und ich hatte ihm doch gesagt, dass etwas nicht stimmt!

Er wollte mir nicht glauben. Ich rief ihn an. Weinte, brüllte, verzweifelte.

Er leitete unseren Notfallplan ein. Rief eine Freundin an die den Emil abholen sollte.

Ich rief meine Nachbarin an. Sie kam sofort.

Dann rief ich den Rettungsdienst.

Ich saß immer noch auf dem Klo. Nicole neben mir auf dem Wannenrad. Ich hörte es laufen. In Schüben kam das Blut heraus. Mein Baby ist tot! Ich werde sterben! Ich hörte den Rettungswagen. Fast erleichtert. Es sollte aufhören.

Das Gefühl ist schwer zu beschreiben. Ich saß da, hörte wie das Blut aus mir herauslief und wartete. Es wurde ruhig. Ich wurde ruhig.

Es ist eine Schockstarre in die man verfällt, oder zumindest bin ich in diese Starre verfallen. Ich habe mich ganz ruhig von meinem Sohn verabschiedet, ich war mir sicher, dass ich den Tag nicht überleben würde.

Und wenn doch, dass mein Baby es nicht tun würde. Und ob ich das dann überleben würde???

Die Sanitäter kamen ins Bad. Gucken ins Klo, erschraken sichtlich und forderten einen Notarzt an.

Bis der kam, vergingen wieder elendig lange Minuten. Oder Stunden?? So kam es mir vor. 30 Minuten waren es insgesamt. Der Notarzt war toll. Er machte mir keine große Hoffnung, aber er kümmerte sich um mich.

Meine Mutter stand da und jammerte: „Warum passiert sowas immer meinen Kindern? Warum kann bei euch nicht mal was gut gehen?“ Herrgott nochmal! ES GEHT GERADE NICHT UM DICH!!!

Der Arzt schickte sie weg. Ich wollte sie nicht dabei haben. Soll sie in ihrem Selbstmitleid baden. Aber nicht bei mir! Es ging ins Krankenhaus. Mit Blaulicht und Sirene.

Der Arzt versuchte mich zu beruhigen, hielt meine Hand, tröstete mich. Ein toller Mann!

Im Krankenhaus angekommen lag ich im Kreißsaal und hatte Panik.

Ultraschall: Mein Baby lebt!

Der Notarzt hielt immer noch meine Hand. Er lächelte und verabschiedete sich.

Woher kam das Blut? Geschätzte 6 Liter mit Koageln. Keiner konnte es sagen oder sehen. In Anbetracht der Schwangerschaftswoche und der Tatsache, dass es meinem Baby gut ging, wurde ich stationär aufgenommen und musste liegen bleiben.

Klar war nur, sollte es wieder bluten, würde man ihn sofort holen.

Ich lag dort eine lange Woche. Emil hasste das Krankenhaus. Er wollte nicht bei mir sein. Das tat so weh! Oma kam jeden Tag. Er liebte sie. Mich hasste er. Jedenfalls glaubte ich das.

Nach einer harten Woche in der meine Familie extrem gelitten hat, aber immerhin mein Mann täglich da war, durfte ich duschen gehen.

Ich stand noch vor der Dusche als ich ein komisches Gefühl in der Scheide bekam. Ich hielt instinktiv die Hand drunter.

Plötzlich lief es! Blut! Alles voller Blut!

Es lief die Beine runter, meine Hand entlang. Ich sagte (überraschend entspannt) meiner Bettnachbarin, sie solle den Kreißsaal informieren und mir mein Handy bringen. Ich rief meinen Mann an, er brachte Emil weg und fuhr los. Ich wurde in Minuten für den OP fertig gemacht. Die Anästhesistin bewunderte meine Ruhe. Ich lächelte sie an und sagte: „Es ist doch nicht zu ändern. Aber mein Baby lebt!“

Linus erblickte das Licht der Welt ohne Mama und Papa in einem OP Saal am 03.08.2015 um 20:43 Uhr.

Er war 50cm groß, hatte einen Kopfumfang von 35cm und wog 2650g.

Er kam auf die Intensivstation. Ich erwachte gegen Mitternacht wieder. Mein Mann kam gerade in den Raum.

Er lief von der Neo zum Kreißsaal hin und her. Er zeigte mir ein Bild von unserem Sohn. Schläuche. Überall Kabel und Schläuche. Es tat so weh! So schrecklich weh! Und ich war so müde. Was war denn los??

Die Operateurin kam hinzu. Ich hatte viel Blut verloren.

Erst während der OP konnten sie erkennen was passiert ist: Meine Plazenta, eine Vorderwandplazenta um die sich nie jemand gekümmert hatte, war in die Narbe gewachsen. Plazenta increta heißt das dann.

Tja, dieses feine Konstrukt ist gerissen.

Eine Uterusrupter auf Grund einer Plazenta increta.

9 von 10 Frauen hätten das nicht überlebt. Die Kinder sowieso nicht. Ich soll glücklich sein sagten sie.

Ich wäre am Leben und sogar meine Gebärmutter habe ich noch. Auch das ist nicht üblich.

Und wie dankbar bin ich dieser Frau dafür!!!

Trotzdem wurde ich beraubt! Meiner Unbeschwertheit, meiner Seele, meiner ohnehin so fragilen Liebe zu Emil. Er war Schuld! Hätte es ihn nicht gegeben, müsste ich heute nicht mit diesem Schmerz leben!

War er Schuld?! Nein! Natürlich nicht! Aber das erzähl mal jemand einer traumatisierten Seele.

Ich durfte mein Baby nicht sehen. Ich hatte eine Tamponade in der Gebärmutter. Einen Stofflappen von mehr als einem Meter Länge. Der sollte den Blutfluss in der Gebärmutter stoppen und sie retten.

In 24 Stunden wüssten wir dann mehr. Ja, in 24 Stunden dürfte ich dann auch mein Baby sehen. Sehen! Nicht anfassen! Es tat so sehr weh!!!

2 lange Wochen später durfte ich Linus mit Heim nehmen.

Meinen Kämpfer, meinen Engel, mein Wunder, mein Anfang und mein Ende. Mein Ein und mein Alles. Meine große Liebe.

Unbeschreibliche Liebe ergoß sich über Linus. Und Emil?!

Naja, er war halt Papas Kind. Er wollte mich ja eh nicht mehr. Hauptsache Papa ist da. Und Oma. Die ungeliebte Schwiegermutter.

Sie hat das doch provoziert! Die wollte mir doch mein Baby nehmen! Die hat sich doch hier eingeschlichen und ihn an sich gebunden! Die hat doch schamlos ausgenutzt, dass ich im Krankenhaus war und das nicht selber unter Kontrolle hatte! Die Biest!

Komisch eigentlich. Unser Verhältnis war ja immer ganz gut. Warum habe ich sie plötzlich so gehasst? Warum fällt es mir selbst heute noch schwer, das Ganze rational zu betrachten?

Weil nichts rational ist an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ich wäre fast gestorben. Linus wäre fast gestorben.

Es hätte ihr doch gefallen! Dann hätte sie ihren Sohn und ihren Enkel ganz für sich alleine. Das wollte sie doch eh immer. Oder nicht?! Keine Ahnung, aber so sah es für mich aus. Sie mochte mich doch eh nie. Ich war ihr doch immer ein Dorn im Auge.

Und da stand ich nun. Mein Mann dem ich nicht verzeihen konnte, dass er mich alleine gelassen hat.

Meine Schwiegermutter die mir alles nehmen wollte, auch wenn sie es gar nicht vor hatte.

Meine beste Freundin die kurz darauf einem Kaiserschnitt zustimmte, um nicht genauso zu enden wie ich. Wodurch ich mir wieder Vorwürfe machte, dass ich ihr das nicht verheimlicht hatte.

Mein knapp 2 jähriger Emil, dem ich die ganze Schuld für alles gab.

Linus, überschüttet mit Liebe. Behütet vor lauter Angst,

dass man ihn mir doch noch nehmen könnte – klingt nach final destination, so fühlte es sich auch an.

Und ich. Einsam, verloren, traurig, unverstanden. Aber bereit für eine Therapie.

Es gab so viele Trigger. Nein, eigentlich bedurfte es noch nicht einmal eines Triggers.

Ich musste einfach ständig weinen. Immer und überall.

Vielleicht gab es unbewusste Trigger, ich weiß es nicht. Alles in meinem Leben drehte sich nur noch um Blut. Tod. Leben. Glück. Unglück. Trauer. Auch heute, zweieinhalb Jahre nach diesem schrecklichen Erlebnis merke ich, dass mich vieles triggert.

Ich las von einer Frau, sie starb bei der Geburt ihres Kindes durch eine Ruptur. Es läuft mir eiskalt den Rücken runter. Merkt man das wohl? Wie fühlt sich das an? Oha! Ich weiß wie sich das anfühlt!

Wie es einem kalt wird, wie man erstarrt und sich nicht mehr rührt. Wie man einfach nur auf das unausweichliche wartet. Das hätte ich sein können! Ich hätte sterben können! Es war so knapp.

Ich wollte immer nur zwei Kinder. Als aber klar war, dass Linus niemals spontan zur Welt kommen würde, wollte ich nichts mehr als ein drittes und klammerte mich verzweifelt an die Hoffnung, dass es dann funktionieren würde.

Es MUSS funktionieren.

Ich würde zugrunde gehen an einem weiteren Kaiserschnitt.

Schließlich war es soweit! Ich testete positiv. Mein Mann war damals wieder mal beruflich unterwegs, er stand am Check-in in München auf dem Weg in den Oman.

Ich war glücklich, überwältigt, irgendwie alleine, verängstigt und verunsichert. Was, wenn es doch wieder ein Kaiserschnitt würde? Wenn die Gebärmutter nicht halten würde? Wenn ich sterben würde?

Oder – Gott bewahre – mein Baby sterben würde?

Dann fing diese verflixte Schwangerschaft auch noch mit Blutungen an.

Jedesmal wenn das Toilettenpapier auch nur ein bisschen rosa war hatte ich gleich wieder die Bilder vor Augen. Wie ich da saß und gewartet habe, darauf zu verbluten. In dem festen Glauben, dass mein Baby tot sei.

An ganz viele Tagen bereute ich meine Entscheidung. Wie sollte ich das nun überleben? Nicht körperlich sondern psychisch.

40 Wochen tägliche Panik. Kann man das überhaupt aushalten?

Ja, man kann. Und die Panik wurde weniger je mehr ich meinen Sohn fühlte.

Er hieß wochenlang Pauline. Nun war es ein Anton. Sehr ungünstig.

Anton wuchs und entwickelte sich perfekt. Jede Untersuchung ergab ein Kind exakt in der Perzentile. Errechneter Termin laut Onlinerechner: der 27.11.2017. Schon wieder der 27.11.?

Ob das ein gutes Zeichen ist? Na gut, der Rechner meiner Frauenärztin ergab den 26.11. Das war irgendwie beruhigend.

Ich habe immer geglaubt, dass dieses Kind mein Seelenheil bedeuten würde. Dass ich, sollte ich ihn spontan entbinden dürfen, wieder ganz die Alte wäre.

Also habe ich gekämpft und gehofft.

Mein Frauenärztin war dabei die Beste Unterstützung die ich mir wünschen konnte!

Sie antwortete zu jeder Zeit auf meine Mails, behandelte mich außerhalb der Sprechzeiten, machte mir Mut, baute noch auf, besorgte mir eine neue Hebamme als es nötig war und half mir, eine neue Klinik zu finden.

Ich hatte viele Ängste und viele Sorgen. Die ersten Wochen meiner Schwangerschaft saß ich so oft bei meiner geliebten Ärztin, dass am Ende noch ein paar Zeilen in meinen Mutterpass geklebt werden mussten, der Platz reichte nicht aus.

Dann, am 25.7.2017 geschah etwas eigenartiges.

Genau 2 Jahre nach meinem traumatischen und einsamen Erlebnis waren wir im Urlaub. Ich ging zur Toilette und tja, was soll ich sagen?!

Mein Körper spielte mir einen fiesen Streich, einen Trigger vom Feinsten! Die Kloschüssel war gesprenkelt von Blut. Was war passiert?

Wie so viele Schwangere hatte auch ich mit Hämorrhoiden zu kämpfen. Aber mussten diese blöden Dinger denn genau an diesem Tag platzen??? Reicht es denn nicht, dass ich selbst heute noch von Rettungswagen getriggert werde?

Oh Gott! Schon wieder ein Abend voller Tränen. Bis heute habe ich von diesem Erlebnis neben meinem Mann nur einer guten Freundin erzählt, zu der ich im Laufe dieser Schwangerschaft ein ganz besonderes Verhältnis aufgebaut habe.

An diesem 25.07.2017 fasste ich aber einen Entschluss. Ich würde mein Baby bekommen! Gesund!

Glücklich! Bei vollem Bewusstsein! Ich brauche dafür keine CTGs, keine unnötigen Ultraschalluntersuchungen, und auf gar keinen Fall Menschen, die gegen meine Pläne sprechen!

Und auch eine weitere Sectio würde mich nicht zerstören können!

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Das ist ein grundsätzlicher Punkt, der jeder Frau in in einer solchen oder einer ähnlichen Situation klar sein muss. Auch eine Sectio muss ausgehalten werden können! Es gibt schließlich schon eine Familie.

Also lautete mein Notfallplan, dass ich auf jeden Fall Geburtswehen spüren möchte.

Als erstes wurde hier meine Hebamme aussortiert.

Sie hasste nämlich die Ärzte, die den Frauen unmögliches versprächen.

Eine spontane Entbindung nach 2 Kaiserschnitten sei, ob bei mir oder einer Frau mit leichterer Vorgeschichte nicht möglich!

Ich hab geheult. Ich mochte meine Hebamme. Dachte ich zumindest.

Rückblickend wurde mir klar, dass es Hebammen gibt, die sich mit einem befassen, unterhalten, einen kennen lernen, mit den Kindern spielen. Alles das hat meine Hebamme bei den ersten beiden nicht getan.

Sie kam, wog das Baby, guckte meine Wunden an und ging. Sie beherrschte ohne Frage ihr Handwerk. Aber die Empathie blieb dabei doch auf der Strecke.

Meine neue Hebamme war anders.

Sie ist eine ehemalige Kollegin meiner Frauenärztin. Sie kam, sie redete viel, sie hörte viel zu. Auch sie hatte ihre Zweifel, aber sie hat sie nie in einer Weise geäußert, die mir den Mut genommen hätten.

Sie war da. Ob sie wirklich voll hinter meinem Versuch stand weiß ich nicht. Aber das musste sie auch nicht. Sie durfte nur nicht zeigen wenn sie es mal nicht tat. Und das hatte sie verstanden. Eine tolle Frau! Sehr emphatisch.

Ich ging also im weiteren Verlauf der Schwangerschaft zu den notwendigen Untersuchungen.

Lehnte den OGTT ab, ließ CTGs nur schreiben wenn es wirklich eine Indikation gab (zwischendurch hatte ich leichte vorzeitige Wehen) und auch die Ultraschalluntersuchungen waren nicht mehr relevant.

Alles lief super! Ich vertraute auf meinen Körper und mein Baby.

Meine Entbindungsklinik stand seit der 22sten Woche fest. Seitdem betreute mich der dortige Chefarzt.

Es lief einfach wie am Schnürchen. Eigentlich hätte mir klar sein sollen, dass das alles zu perfekt war.

Nun kam es, dass ich mich zum Termin in meiner Klinik vorstellen sollte.

Das habe ich getan – fast.

Der Termin fiel auf einen Sonntag, also sind wir bei 40+1 – Moment! – dem 27.11.2017 (da ist er wieder…) dorthin gefahren.

Im Kreißsaal sagte man mir, man wisse nichts von einer Vba2c und überhaupt gäbe es so etwas bei ihnen nicht.

Ich müsse also einen Termin zur re-re-Sectio ausmachen.

Ich habe mich gewehrt, auf den Chef verwiesen und wurde zu ihm geschickt.

Nach einer kurzen Untersuchung stellte er ein makrosomes Baby fest.

Sogar mein Mann und ich konnten sehen, dass er den Ring nicht um den Bauch, sondern mit einem knappen Zentimeter Überhang gesetzt hatte.

Niemals hatte mein Baby über 4000g! Aber er behauptete, dass doch schon mein erster Sohn wegen des Verdachts auf Makrosomie geholt wurde. Mein Mann wendete ein, dass er aber doch nur 3380g hatte.

Trotzdem! Ich hätte da wohl eine Neigung zu!

Aber ein makrosomes Baby bedeutete den Kaiserschnitt.

Er stellte also sachlich fest, dass es das Beste wäre, ich würde im Krankenhaus bleiben, auf die Wehen warten und sobald diese dann einsetzten würde er eine geplante Sectio durchführen. Nein! Niemals!

Niemand schneidet mir mein Baby aus dem Bauch!

Mein Mantra. Niemand schneidet mir mein Baby aus dem Bauch!

So oft gesagt und so oft geschrieben, dass die Tastatur meines Handys mir die Worte schon vorgibt.

Niemand schneidet mir mein Baby aus dem Bauch! Ich ging.

40+2, einen Mann der hinter mir stand, eine Frauenärztin die sich abends nach 18 Uhr damit auseinander setzte mir eine neue Klinik zu organisieren und ich.

Ein Häufchen heulendes Elend bereit alleine zu Hause zu entbinden.

Am nächsten Tag rief ich in  M. hospital in B an. Ich bekam einen Termin für den nächsten Tag. 40+3, 9:00 Uhr.

Am selben Nachmittag bekam ich leichte Wehen. Wieder diskutierte ich alles mit meiner Frauenärztin. Wir kamen überein, dass es besser sei, heute schon ins M.hospital zu fahren. Also rief ich meinen Mann an und wir fuhren los.

Wir hatten ein tolles Gespräch! Erst ein CTG, Wehen alle 10 Minuten, aber aushaltbar.

Nichts dramatisches. Ultraschall ergab ein Baby mit 3600g.

Weit entfernt von makrosom. Die Ärztin gab mir also das okay. Sie las meinen OP Bericht, hörte sich meine Geschichte an, stellte meinen Willen fest und sagte zu!

Ich durfte es probieren!!! Was für ein toller Tag! Der 28.11.2017.

Sie sagte zwar, dass man das Ganze bei mir in engen Grenzen zulassen würde, die OP fand schließlich nicht bei ihnen stand und sie wüssten nicht, wie es aussieht, aber in engen Grenzen würde man es wagen.

Ich war so erleichtert!! Der Termin für den nächsten Tag hatten wir abgesagt. Ich sollte bei 41+0 wieder kommen, es sei denn, vorher würde sich etwas tun.

Von dort aus sind wir noch bei meiner Frauenärztin vorbei. Ich musste sie einfach mal in den Arm nehmen. So eine tolle Frau! Mit so viel Hingabe!

Zu Hause ging es mir einfach gut. Entspannt und beruhigt ging ich ins Bett und schlief endlich mal wieder vollkommen entspannt.

Morgens um kurz nach 5 ging ich zur Toilette. Da löste sich der Schleimpfropf.

Ich saß auf dem Klo, strahlte dieses fiese Stück Klopapier mit den dicken Klumpen an und weinte vor Freude! So ein Klumpen und so viel Glück dabei!

Ich rechnete noch mit ein paar Tagen bis ich mein Baby im Arm halten konnte.

Um 5:30 Uhr weckte ich meinen Mann. Irgendwie waren die Wehen anders.

Wir gingen duschen. Er machte die Großen fertig. Unter der Dusche stellte ich fest, dass ich tatsächlich Geburtswehen hatte!!! Ich!!!! Wehen!!!! Beim dritten Kind durfte ich das endlich erleben!!! Ich war so glücklich! Und es tat sooooo weh! Naja, verbrennen ist schlimmer..

Gegen 6 Uhr musste ich die Wehen schon gut veratmen.

Wir beschlossen also, dass es besser wäre, die Großen bei Freunden zu parken bis es in den Kindergarten geht. Bis 7 Uhr zu warten war uns zu heiß. Schließlich sollte ich frühzeitig ins Krankenhaus und da hatte ich ja schon recht schmerzhafte Wehen alle 3 Minuten.

Also Kinder abgeliefert und weiter ins Krankenhaus. Um 7:20 Uhr waren wir dort.

Ich bekam ein CTG und mein Mann sollte mich anmelden und meine Sachen aus dem Auto holen. Und dann geschah etwas ganz seltsames. Mein Mann ging – und die Wehen auch.

10 Minuten später kam er zurück – und die Wehen auch. Mit Öffnen der Türe setzten sie schlagartig wieder ein.

Nach einer kurzen Untersuchung wurde ich auf‘s Zimmer geschickt.

Muttermund fingerdurchlässig, medio sakral. Gmh bei 3cm. Es war 9 Uhr. Um 10 Uhr sollte ich wieder kommen.

Im Zimmer angekommen kam eine Ärztin vorbei. Sie stellte sich kurz vor, erklärte nochmal kurz was von engen Grenzen und sie würde öfter kommen und schickte mich dann, um 9:40 Uhr mit extrem starken Wehen zurück in den Kreißsaal.

Rollstuhl lehnte ich ab. Wie habe ich das bereut!

Auf dem Weg in den Kreißsaal kam eine Schwester mit der Essensbestellung. Ich bin jetzt privat versichert. Wahlleistungspatient nennt sich das dann.

Da steht eine Frau mit Wehen alle 2 Minuten im Flur und muss Essen für 3 Tage planen!

Mit Kaffee und Kuchen, 4 verschiedene Frühstücksplatten zur Auswahl, Salat hier, Fisch dort, Rohkost und Obst sowieso…. was für ein Unsinn! Ich wollte nicht essen, ich wollte ein Baby bekommen und danach so schnell wie möglich Heim. Ambulant entbinden lautete mein Plan.

10 Minuten und 5 Wehen später endlich am Fahrstuhl! Die Hebamme aus dem Kreißsaal kam mir entgegen. Oh! Sagte sie. Sie beeilt sich und kommt sofort. Ich soll schon mal in den Kreißsaal gehen.

Dort angekommen erstmal wieder ans CTG.

Dann Untersuchung um 12 Uhr. Muttermund bei fantastischen 5cm! Ich war so glücklich!

Oh wehnte vor mich hin, veratmete, erzählte mir selber immer wieder, dass diese Wehe nicht mehr zurückkäme und erklärte meiner Hebamme Daniela voller Überzeugung, dass mir hier und heute niemand mein Baby aus dem Bauch schneiden würde! Dann kam der Schichtwechsel. Hebamme Sarah, auch sehr nett!

14 Uhr wieder Untersuchung. 8cm. Die Frage der Fragen. PDA – ja oder nein.

Ein Arzt kam. Ich heulte und wollte nicht! Meine Hebamme schaltete. Sie schickte ihn weg. Eine Ärztin kam. Okay – dann versuchen wir die PDA. Ich habe Panik vor allem was ich nicht sehen kann. Eine Spritze in den Rücken, das geht gar nicht!Rückblickend hätte ich es auch einfach lassen sollen!

Und der Arzt?! Tja, der Gute war echt nett, lustig und sympathisch. Aber er hat es schon nicht geschafft, meinen Zugang problemlos zu legen. Da soll ich ihn an meinen Rücken lassen? Ich? Mit all meiner Panik vor Spritzen in den Rücken? Niemals!

Naja, zurück zu PDA. Sie wirkte. Ich spürte nichts mehr!

In mir stieg die Angst eines Geburtsstillstandes auf. Das CTG zeigte nichts mehr an, ich spürte nichts mehr. Ich lag nur da und guckte in die Gegend.

Plötzlich hörte die Wirkung auf. Wahrscheinlich war es nicht plötzlich, aber mich überfielen diese Wehen. Diese unglaublich starken Wehen. Die Hebamme spritzte die PDA nach. Das zeigte keine Wirkung.

Sie untersuchte mich. 10cm, Kopf noch sehr weit oben.

Ich sagte ihr, dass ich das Gefühl habe, dass endlich die Blase platzen müsse. Das wollte sie aber nicht. Also ging meine Hebamme um den Arzt zu holen. Er sollte entscheiden, ob die Blase geöffnet werden sollte oder nicht.

In der Zeit in der sie weg war, gefühlt 10 Minuten, hatte ich eine einzige riesige nicht enden wollende Wehe! Die Ärzte kamen.

Übrigens kamen die Ärzte nun zum zweiten Mal. Enge Grenzen eben ;-).

Sie hatten ein Ultraschallgerät dabei.

Ich hatte schließlich unbeschreibliche, den Kreißsaal zusammenbrüllende Schmerzen trotz PDA und das auch noch pausenlos.

Die Narbe wurde untersucht. Ich brüllte nur, dass es nicht die Narbe sei.

Der geht‘s gut. Da ist nichts. Ich habe WEHEN!!!

Als der Arzt mich dann untersuchen wollte wurde das Problem klar. Ich sollte meine Beine aufstellen. Das Linke konnte ich auch aufstellen. Das Rechte aber hing völlig gefühlsfrei an meinem Körper rum und tat nichts.

PDA verrutscht. Bein taub.

Naaaaa toll! Erst finde ich sie ätzend und dann wirkt sie nichtmal. Wofür dann das Ganze? Egal, wieder was gelernt und weiter geht’s. Das Teil wird nicht korrigiert, ich schaffe das auch ohne!

Der Arzt stellt also fest, dass der Kopf gut sichtbar tief im Becken hängt. Bei der nächsten Wehe würde er die Blase sprengen.

16:30 Uhr! Blase platzt! Ich muss pressen!!!

Alle schreien mich an: Dann press!!! Ich presse also wie irre. Einatmen und pressen, und nochmal, und nochmal, und noch ein viertes Mal! Bloß nicht aufhören, den Mund geschlossen halten Nicht, dass das Baby zurück rutscht!

3 Presswehen dieser Art. Ich war nass geschwitzt.

Wollte doch lieber eine Zangengeburt und wenigstens die Saugglocke.

Wofür?? Der Kopf guckt schon raus! Noch eine Presswehe. Meine Hebamme wollte bei der nächsten Presswehe den Damm schneiden. OH MEIN GOTT!!! Ich fühle das doch!! Nein! Niemals!! Dann presse ich eben nicht mehr!! Verdammt! Ich muss pressen! Dann schneide halt! Ich presste, hielt mir dabei krampfhaft den Mund zu, sie schnitt und Anton kam!

Vier Presswehen in 13 Minuten. Mein Baby!

Er schrie nicht, war blau, sah eigenartig aus. Ich bemerkte das nicht, dachte halt, dass er ein dunkler Typ sei. Sind viele in meiner Familie. Ich brüllte die Hebamme an, sie solle mir mein Baby geben! Endlich! Bonding nach der Geburt!

Nackt und warm hatte ich mein Baby auf der Brust. Er fing schnell an zu nuckeln.

Später stellte sich raus, dass er gar nicht richtig nuckeln konnte. Sein Zungenbändchen war bis zur Zungenspitze festgewachsen. Der Kinderarzt war toll, fackelte zum Glück nicht lange und schnitt es direkt durch. Ansonsten wäre stillen nahezu unmöglich geworden.

Er lag aber da. Auf meiner Brust. Mein Baby, mein Seelenheil, mein Wunder.

Ich war so unbeschreiblich glücklich! Alles hatte sich gelohnt. Und wer hätte Recht behalten? Meine Frauenärztin! Sie schätze mein Baby am Vortag auf 3800g. 3600g erschien ihr zu wenig. Alles über 4000g Blödsinn.

Anton erblickte das Licht der Welt in einer kurzen, erfolgreichen Vba2c am 29.11.2017 um 16:43 Uhr mit 3890g und 36cm KU. Er hatte gemessen im Krankenhaus 54cm. Der Kinderarzt maß eine Woche später 52cm. Ich weiß nicht wie es tatsächlich war.

Ich war nun Mutter von 3 ganz fantastischen Kindern.

Geboren in 3 unterschiedlichen Krankenhäusern mit ganz unterschiedlichen Geschichten.

Der Erste trägt die Last der Schuld.

Der Zweite trägt die Last des Opfers.

Der Dritte trägt die Last des Heilers.

Ist das fair? Darf eine Mutter ihren Kindern derartige Lasten aufbürden?

Nein! Natürlich nicht. Aber wie erklärt man das einem Trauma? Wie mache ich meinem Trauma klar, dass Emil nichts dafür kann, dass Linus alles gut verkraftet hat und ein ganz toller Junge ist, dass Anton eben auch nur mein drittes Baby ist.

Geht es mir jetzt besser? Ich habe es geschafft! Meinen Traum verwirklicht! Meine Seele geheilt? Nein.

Nichts kann meine Seele heilen. Ich habe ein Trauma. Ich kann damit leben und ich kann damit umgehen.

Dank einer langen Therapie habe ich gelernt das ganze sehr reflektiert und distanziert zu betrachten. Und trotzdem habe ich meinen Kindern diese Attribute auferlegt. Aufgebürdet. Sie können das nicht tragen. Es ist meine Last. Ich muss es schaffen sie freizulassen.

Sie sind Kinder! Keine Täter, Opfer oder Heiler, einfach Kinder.

Vielleicht hat sich doch etwas verändert. Ich erkenne vieles. Die Problematik mit meiner Schwiegermutter, meine Ehe die immer wieder an den Punkt kommt an dem ich mich einsam und verlassen fühle. An dem mein Mann nicht ausreichend ist.

Meine Kinder die so sehr leiden müssen, woran ich täglich auf‘s Neue arbeite.

Vielleicht bekommen wir eines Tages noch ein Viertes Kind. Einfach nur ein Kind.

Eines, das keine Besonderheit tragen muss.

Ein Baby, dass spontan entbunden in einer Klinik das Licht der Welt erblickt. Frei von meinen Ängsten und Sorgen. Bis heute kann ich sie nicht loslassen. Vielleicht werde ich das auch nie.

Bei jedem Ziepen an der Narbe bekomme ich Panik. Sobald mein Baby hustet habe ich Angst, dass man es mir doch noch nehmen könnte. Dass der Fehler irgendwo lauert.

Warum sollte bei mir mal einfach alles gut gegangen sein??

Ich glaube, das Einzige was man tun kann, wenn man als eine von 10 Frauen überlebt hat, ist es jeden Tag aufzustehen, sein Leben mit der Familie zu genießen, Trigger mit dem Partner zu teilen und immer und immer wieder aufzuarbeiten.

Jeden Tag auf‘s Neue versuchen, den Teufelskreis zu verlassen.

Meine Hebamme hat mir nach der Entbindung gesagt, dass meine Klinikwahl wohl richtig war. Ihre Aussage zu der Klinik:

Manchmal muss man viel wissen, um wenig zu tun.

Oh, wie wahr! Manchmal muss man viel wissen, um wenig zu tun. Auch ich weiß heute viel. Mal sehen wann ich es schaffe, wenig zu tun. Ich arbeite daran. Mit meiner Familie.

Meinem Mann, meinem Emil, meinem Linus und meinem Anton. Ich versuche ihnen die Last wieder zu nehmen. Ich arbeite daran sie in meinen Rucksack zu packen, damit ich ihn eines Tages schließen und wegstellen kann.

In Summe ist es so:

Eine Vba2c ist toll! Eine spontane Entbindung ist ein unbeschreibliches Ereignis. Aber sie heilt nichts. Sie tröstet über kein Unglück hinweg. Das Leid ist immer noch da. Die Probleme auch.

Was sich für mich geändert hat, ist das Bewusstsein darüber. Das Bewusstsein über all die angesprochenen Probleme.

Und es bleibt die Frage, ob mir das nicht nach einem weiteren Kaiserschnitt auch bewusst geworden wäre.

Ein Trauma bedeutet Arbeit.

Eine Vba2c ist dafür nicht die erhoffte Lösung. Sie hat mir aber Worte geschenkt.

Bewusstsein und Worte. Ich kann heute aussprechen was mich so lange gequält hat.

Ich wäre fast gestorben!

Mein Baby wäre fast gestorben!

Ich habe mich einsam gefühlt!

Es hat mein Leben zerstört!

Und es kostet eine unbeschreibliche Mühe und Arbeit mein Leben wieder aufzubauen. Aber ich werde es schaffen!

Ich werde meiner Familie gerecht, werde die Pakete von den Schultern meiner Kinder nehmen und sie selber tragen.

Inmitten einer Herde von Frauen, die alle ein ähnliches Päckchen tragen und mir trotzdem helfen Meines zu schultern. Danke Mädels!

Danke auch an das tolle Team des M. hospitals in B! Die engen Grenzen waren so entspannt für mich! Ihr seid einfach genial! Wisst viel und tut wenig. Ich habe bei euch Geburtshilfe erfahren, wie man sie sich wünscht!!!

Danke an meine mega geniale Frauenärztin! Sie haben mir den Rücken gestärkt und freigehalten! Ein viertes Kind definitiv nur mit Ihnen!!

Danke an meine fantastische Hebamme Beate! Ich glaube du bist mit mir gewachsen in dieser Zeit. Anton und ich sind dir unendlich dankbar für deine Unterstützung und all die lieben Worte!

Für die Pflege meines demolierten Dammschnitts und Antons schlimmen Bauchnabel. Ein viertes Kind? Nur mit dir!

Danke an meine Familie!

Ich werde mir Mühe geben, euch gerecht zu werden! Euch allen. Meinem Mann, meinen Söhnen, meiner Schwiegermutter, meiner Familie.

Und danke an meine Freunde! Ihr habt hinter mir gestanden, mich unterstützt und bestärkt. Ihr habt meine Kinder betreut und mich entlastet. Ihr habt an mich geglaubt und ihr habt rückblickend meinen Willen bewundert. Das tat so gut!!

Jetzt muss ich es noch schaffen, den Rucksack in die Ecke zu stellen.

11 Kommentare, sei der nächste!

  1. Was für ein wahnsinnig ehrlicher und dramatischer Bericht. Respekt für diese Offenheit und dass du dein Ziel so klar vor Augen hattest und dieses dann tatsächlich umsetzen konntest. Dazu gehört sehr viel Mut! Darf ich fragen, um welche Klinik es sich handelt? Ich bin selbst in der 37.ssw und noch immer verzweifelt auf der Suche nach einer passenden Klinik, die meinen Wunsch nach einer Vba2c unterstützt.

    1. Hallo Katja,

      ich war in Bonn im Marienhospital. Es gibt aber noch ein paar Kliniken die sowas unterstützen.
      Wenn du bei Facebook bist, guck dir mal die Gruppe „Natürlich und selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt“ an.
      Vor allem brauchst du Mut, Wille, Kraft und Durchhaltevermögen!
      Viele liebe Grüße
      Inga

  2. Ich sitze hier und bin sprachlos. Gerührt, traurig, berührt, glücklich alles auf einmal. So ein ehrlicher, berührender Bericht. Danke, dass du es mit uns teilst 🐘❤️

  3. Diesen Bericht kann ich nicht ohne geballte Fäuste in der Tasche lesen. Es ist einfach so viel Wut, so viel Hass auf diese Metzger, diese angeblichen Mediziner die ihren Beruf doch gewählt haben um Leben zu retten. Immer und überall hört man dass Kaiserschnitte Leben retten, jeder reibt es einem unter die Nase wenn man es als Frau wagen sollte ehrlich über sein Erlebnis, sein Trauma zu berichten. Hier hat ein Kaiserschnitt fast ein Kind getötet, obwohl der ältere Bruder der dadurch zur Welt kam niemals hätte „gerettet“ werden müssen! Hinzu kommt auch diese unverschämte und oftmals unnötige Modediagnose (Gestations)Diabetes, gegen die sich Frauen heutzutage nicht mal wehren können, da Deutschland ja das Zwangsscreening darauf eingeführt hat.

    Wer zieht diese Ärztin, die das Schicksal dieser Familie zu verantworten hat jemals zur Rechenschaft? Niemand kann das, niemand wird das.

    Liebe Inga, bitte verbreite deine Geschichte und lasse sie in verschiedene Sprachen übersetzen. Leiste einen Beitrag dazu dass Frauen erfahren dass Kaiserschnitte Leben zerstören und töten! Die moderne Geburtshilfe in Deutschland und nahezu allen westlichen Industrienationen versagt und rast mit Lichtgeschwindigkeit in ein schwarzes Loch. So etwas DARF nicht mehr passieren, jede Frau und jedes Kind ist sind zu viel!

  4. Liebe Inga,
    Danke für deine Geschichte. Ich kann dem allem so nachempfinden und finde es klasse, wie du dich mit Hilfe deiner Frauenärztin mit deinem Weg durchgesetzt hast. Auch wenn das alles keine Wunden heilt, so hast du deinen Wunsch erfüllt und duftest dies alles erleben beim 3. Kind.
    Ich hatte in der 1. Schwangerschaft einen Kaiserschnitt, weil mich alle dazu gedrängt haben. Ich war im Nachhinein damit auch so unglücklich, dass ich in der 2. Schwangerschaft 2013 spontan entbinden wollte. Ich war in ständiger Kontrolle in der Geburtsklinik. In der 39. Woche wurde aufgrund des Verdachtes einer Schwangerschaftsgestose eingeleitet, über 20 Stunden zum Teil heftige Wehen mit sehr kurzen Abständen. Ich war so fertig nach den 20 Stunden, dass ich einer PDA zugestimmt habe und dann ist es passiert – Uterusruptur. Die Hebamme hat mir nicht geglaubt, als ich sagte mir ist glaube gerade was gerissen. Es dauert alles und erst nach einer Weile wurde entschieden KS wegen Geburtsstillstand. Dann beim Kaiserschnitt haben Sie endlich gemerkt was passiert war – Pauline lag leblos in der Bauchhöhle – sie wurde wiederbelebt, lag dann 3,5 Wochen auf der Neo und ist dann am 16.11.2013 in meinem Arm für immer eingeschlafen.
    Jetzt bin ich nach langem überleben, viel ärztlichen Rat aktuell in der 29. Woche Schwanger und mir streubt der Gedanke eines KS vor allem 2 Wochen vorher geholt. Ich fühle mich mit all dem obwohl ich weiß was mir auch hätte passieren können überhaupt nicht wohl 🙁
    Mal schauen was das bei mir noch wird…
    Alles Liebe,
    Jasmin

    1. Liebe Jasmin,
      ich habe deine Geschichte gerade erst gelesen. Es tut mir so unendlich leid! Ich kann mir gar nicht vorstellen wie das sein muss, der Gedanke daran zerreißt mich. Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir und deinem Baby von ganzem Herzen alles erdenklich Gute!

  5. Wow Inga, von ganzem Herzen danke für deinen ehrlichen Bericht! Ich wünsche dir, dass der Rucksack nicht irgendwann nur in der Ecke landet, sondern im tiefsten Meer versenkt wird – ich weiß, das ist einfacher gesagt als getan, aber ich wünsche es dir sehr. Für dich und für deine Familie.
    Eine Frage habe ich zu deinem Gestationsdiabetes: du sagst, dadurch entwickelte sich ein Typ 2 – Diabetes… hast du deshalb den erneuten routinemäßigen OGTT nicht mitgemacht? Und wie hat die Ärztin darauf reagiert?
    Viele Grüße,
    Julia

    1. Hallo Julia,
      auf Grund dessen, dass ich einen angeblichen Typ II Diabetes haben sollte, wurde in der zweiten Schwangerschaft gar kein OGTT mehr gemacht. Ich sollte von vorne herein messen und überwachen und habe auch Insulin bekommen. Ich habe dann auf den Test bestanden, ohne Insulin hatte ich perfekte Werte, nicht einer fiel aus dem Rahmen. Nach der Schwangerschaft wurde die Diagnose widerlegt und aus meinen Akten gestrichen. In der dritten Schwangerschaft habe ich für mich immer wieder alles überwacht. Meine Gyn wusste das, das machte einen erneuten OGTT unnötig.
      Viele Grüße
      Inga

  6. Liebe Jasmin,
    genau so ergeht es mir gerade.
    Erste Geburt Kaiserschnitt wegen Geburtsstillstand und Verdacht auf Makrosomie.
    Die zweite Geburt sollte unbedingt natürlich werden, doch nach Wehensturm und Geburtsstillstand durfte ich wieder nach Hause. Zuhause ist eine riesige bisher nicht erkannte Zyste geplatzt, im Anschluss kam es zur Uterusruptur. Ohne Blutung. Unerkannt wurde wegen einem Abfall der Herztöne ein normaler Kaiserschnitt eingeleitet. Das Kind wurde leblos entbunden, 45 Minuten reanimiert und ins künstliche Koma versetzt. Nach 10 Tage ist meine Kleine in meinen Armen gestorben. Im Krankenhaus gab man mir die Schuld für das Desaster – sie hätten früher Kaiserschnitt gemacht, wenn ich nicht unbedingt eine natürliche Geburt gewollt hätte.
    Jetzt bin ich nach drei Jahren Trauerzeit wieder schwanger. Diesmal wieder mit Zyste, aber erkannt. Ich habe ständig Schmerzen, dort wo die Ruptur war. Keiner kann mir erklären warum, die Narbe ist intakt. Ich habe Angst. Für mich zählt, dass mein Kind lebt. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn mein Kind wieder stirbt, weil ich eine natürliche Geburt will. Allein schon wegen der Zyste werde ich einen Kaiserschnitt planen.
    Liebe Grüße an alle Traumatisierten und Schwangeren
    Anna

    1. Liebe Anna,
      die Angst wird ein Teil deiner Schwangerschaft bleiben. Nach deiner schrecklichen Geschichte ganz sicher noch mehr. Dennoch wird sie dir auch eine Hilfe sein. Du wirst ganz bewusst auf deinen Körper hören, alles im Blick und im Gefühl haben und genau darauf achten. Bei mir kam irgendwann der Punkt an dem die Angst einer Sicherheit wich. Ich hoffe sehr, dass du diesen Punkt auch erreichen kannst!
      Die meisten Frauen denken, dass nach den ersten 12 Wochen alles sicher ist. Manche wenige tragen eine solche Last. Sie macht dich stark! Sie schenkt dir Körperbewusstsein und Willensstärke. Nutze sie! Deine Entscheidung für eine Sectio kann ich sehr gut nachempfinden. Auch diese kann ja durchaus würdevoll und “schön” gestaltet werden. In erster Linie sollte die Geburt selbstbestimmt sein. Ich wünsche euch alles Liebe und Gute!
      Inga

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