7. Januar 2022

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Meine natürliche Geburt nach zwei Kaiserschnitten

Geburtsbericht von Ronia, Ärztin

2017 Sohn 3700g, 52,5 cm, 37 cm KU, sekundäre Sectio

2020 Tochter 3440g, 51 cm, 34 cm KU, primäre Sectio

2021 Tochter 3710g, 51cm, 38 cm KU, spontan, mit Vakuumextraktion

Wir haben es geschafft! Unser lang ersehnter Traum ist in Erfüllung gegangen. Meine Tochter und ich durften endlich eine natürliche Geburt erleben. Aber erst Mal der Reihe nach.

Die erste Geburt – ein Kaiserschnitt

2017 kam unser erstes Kind auf die Welt. Ein temperamentvoller Lausbub. Nach einer völlig unkomplizierten Schwangerschaft wurde er mit Einleitung, PDA und letzten Endes wegen abfallender fetaler Herztöne per sekundärer Sectio geholt. Die Hektik des Geburtsteams erweckte den Eindruck eines Notfalles, wir waren einfach unsäglich froh, dass unser Kind das heil überlebt hatte. Doch die Todesängste während der Einleitung konnte ich mir nicht erklären. Ob sie Folge der Einleitung per se oder des Wehensturmes waren, die Interventionen schossen deutlich über das Ziel hinaus. Der Verdacht auf Makrosomie, bei geschätztem Gewicht von 4300g, Hauptargument für die Einleitung am korrigierten ET+10 konnte nicht erhärtet werden. Er kam mit 3700g auf die Welt. Auch die Panikmache bezüglich Risikos des intrauterinen Fruchttodes entbehrte jeglicher realistischer Risikoeinschätzung.

Die zweite Geburt, eine Tochter und wieder Kaiserschnitt

2020 kam nach einer Schwangerschaft, die für mich wieder wunderbar problemlos verlief, unsere Tochter auf die Welt. Eine beharrliche, freche Schmusekatze. Bei ihr stellte meine Ärztin früh eine Plazenta praevia fest. Obwohl ich keinerlei Symptome hatte, fühlte ich mich zeitweise wie eine tickende Zeitbombe, da jederzeit lebensbedrohliche Blutungen das Ende der Schwangerschaft hätten einleiten können. 8 Tage vor korrigiertem ET erfolgte die geplante, primäre Sectio. Das Ende vom Lied: doch nur Plazenta Tiefsitz, d.h. ein vaginaler Entbindungsversuch hätte versucht werden können. Ich wurde erneut wegen Annäherungen und nicht aufgrund von erwiesenen Tatsachen operiert.

Die spannende dritte Geburt

Wir wünschten uns immer 3 Kinder, 2021 machte sich unser Jüngstes auf den Weg. Bis zum letzten Tag auch dieser schön verlaufenen Schwangerschaft wurden dauernd neue Gefahren und Risiken angedeutet, die nur Projektionen der Behandler waren. Von einmaliger Querlage, zu dünner Narbe, zu kurzem Abstand zwischen den letzten 2 Geburten (22 Monate), zu schwer geschätztem Abdomen bzw. Gesamtgewicht bis hin zu vermeintlichem Gestationsdiabetes und zu langer Terminüberschreitung.

2 g zu viel

Das Krankenhaus-Team, das mir für eine spontane Geburt nach 2 Sectios (VBA2C) seine Kooperation zusicherte, zog diese am korrigierten ET+11 zurück, da mein Kind mit 4002 g 2 g zu viel geschätzt wurde. Selbst, wenn ich in der Nacht mit Wehen käme, könnten sie mir keine VBA2C anbieten. Enttäuscht und entmutigt ging ich nach der Akupunktur der Hebamme mit einem Set für einen hohen Einlauf und UT-Öl nach Hause, besorgte mir noch Caulophyllum und versuchte danach mit der Milchpumpe die Oxytocin-Ausschüttung anzuregen.

Dann rief ich den Arzt an, der meine Narbe zuvor als zu dünn beurteilte. Er freute sich, mich zu hören und sagte einer natürlichen Geburt zu, innerhalb der nächsten 3 Tage müsse es kommen. Er gebe mir für den nächsten Tag einen Termin und wenn schon vorher Wehen einsetzten, solle ich mich im Gebärsaal melden.

Endlich Wehen

Was soll ich sagen? Um Mitternacht fingen meine Wehen alle 10 min. an und ich verspürte Schmerzen an der Narbe. Als wir in der Klinik ankamen, traten die Wehen bereits alle 2 Minuten auf. Veratmen, Bewegen, später Tönen, im Verlauf in die Badewanne, gegen 5 Uhr lag ich bei 3-4 cm, um 6 Uhr Blasensprung, ab 8:30 war ich vollkommen eröffnet. Es folgte eine 2,5-stündige Austreibungsphase, gegen 11 Uhr wurde der Leitende Arzt hinzugerufen.

Da meine Kleine trotz kräftiger Wehen die letzte halbe Drehung noch nicht vollzogen hatte, schlug er eine Vakuumextraktion vor und verhalf ihr in nur 2 Wehen zum Licht der Welt. Sie kam mit salutierender Hand 😉 Ich hätte vor Glück Bäume ausreissen können. Meine Tochter und ich haben den Weg zueinander erarbeitet. Unsere Körper sind dafür gemacht!

Mein Fazit

Ich wünsche jeder Mutter von Herzen, dieses Gefühl des Einsseins mit ihrem Körper und ihren Fähigkeiten erleben zu dürfen. Gebären, in seinem natürlichen Fluss, brachte mich wieder in Verbindung mit meinen Kräften und meiner Intuition. Ich konnte meiner Wahrnehmung wieder trauen und mich von ihr leiten lassen, was für ein Geschenk! Eines, das mir bei den 2 Geburten vorher verwehrt blieb, weil meine Geburtshelfer Pathologien suchten, wo keine waren, den möglichen Gefahren von nicht mal 1% mehr Glauben schenkten, als den restlichen 99% mit gutem Ausgang.

340 Kaiserschnitte um eine Ruptur zu vermeiden

Wenn es einen trifft, dann bedauerlicherweise zu 100%. Doch um bei der einen Frau eine Ruptur zu vermeiden, 340 andere Frauen zu operieren, halte ich weder für plausibel, noch für ethisch korrekt. Uterusruptur, Plazenta praevia und Plazentaeinnistungsstörungen nach vorangegangener Sectio werden die geburtshilflichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte bleiben.

Lebensrettung ja – unnötige Kaiserschnitte nein

Die operativen Errungenschaften der Geburtshilfe in allen Ehren, ich bin froh, darauf zählen zu können, dass bei einer lebensbedrohlichen Situation innerhalb von 10 Minuten relativ routiniert eine Sectio durchgeführt werden kann. Doch es kann nicht sein, dass wir durch Statistik, juristische und versicherungstechnische Zwänge der individuellen Beurteilung der einzelnen Frau und ihres Kindes beraubt werden. ich möchte dazu ermuntern, lasst uns unsere Gebährfähigkeit nicht absprechen! Das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Einzelteile!

Danke!

Vielen herzlichen Dank an das wunderbare Geburtshilfe-Team, das durch das Vertrauen in mich und eine sehr liebevolle Betreuung dieses Wunder hat geschehen lassen! Und an Frau Taschner und ihre liebe Facebook Gruppe, die mir noch in den Wehen unterstützende Kliniken gefunden haben. Ihr seid wunderbar!

Und nicht zuletzt von Herzen Danke an meinen Felsen in der Brandung, meinen Partner, der bis zuletzt an mich geglaubt hat!

Wenn Du weitere Informationen zu einer Geburt nach zwei Kaiserschnitten suchst, hier entlang: 

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