Die Geschichte einer Narbenschwangerschaft

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Achtung Trigger

Das dritte Kind sollte unser Glück perfekt machen. Wir hatten bereits zwei gesunde Töchter. Für mich war es ein Traum, eine große Familie zu haben, da ich selbst keine Geschwister hatte.

Mein erster Kaiserschnitt

2011 wurde ich das erste Mal schwanger. Die Schwangerschaft verlief super, keine Komplikationen. Doch als zehn Tage nach dem errechneten Termin die Geburt nicht einsetzte und der Puls des Kindes immer langsamer wurde, wurde ein Not-Kaiserschnitt durchgeführt.

Ich war darauf nicht vorbereitet. Der Vorbereitungskurs, die Gedanken, wie schön die Geburt doch werden würde; alles war zunichte. Es wurde an mir gerüttelt, ich bekam kaum Luft. Als meine Tochter auf die Welt kam, wurde sie sofort weggetragen, da sie nicht richtig atmete, das Fruchtwasser war komplett grün. 5 Minuten durfte ich sie dann sehen, danach kam sie drei Tage auf die Intensivstation. Das war die schlimmste Zeit für mich. Nach fünf Tagen wurden wir entlassen. Endlich zu Hause angekommen, bekam meine Tochter innerhalb weniger Stunden blaue Lippen, so dass wird erneut für eine Woche ins Krankenhaus mussten.

Die zweite Schwangerschaft

2014 wurde ich wieder schwanger. Auch die zweite Schwangerschaft verlief tadellos. Da bereits der erste Kaiserschnitt für mich sehr traumatisch war, wollte ich nun unbedingt eine Spontangeburt erleben! Doch auch dieses Mal setzte nach fünf Tagen die Geburt nicht ein, so dass die Ärzte mit der Einleitung begannen. 11 Stunden lang lag ich in den schlimmsten Wehen, selbst eine PDA wirkte nicht wie gewünscht.

Als meine Tochter dann zur Welt kam, war ich überglücklich. Nur was daraufhin folgte, ahnte ich nicht. Ich war von innen und außen komplett gerissen, musste genäht werden. Dann verlor ich 1,5 Liter Blut. Die Ärztin drückte fest auf meinen Bauch, damit die Blutung gestillt werden konnte, und ich bekam ein großes Kühlkissen. Mein HB lag bei 7, davon erholte ich mich nur schleppend. Eine Eiseninfusion bekam ich nicht.

Nachblutungen durch einen Plazentarest

Mein Wochenbett verlief nicht wie geplant, ich blutete sehr stark und nach zwei Wochen wurde festgestellt, dass ich ziemlich viele Plazentareste in der Gebärmutter hatte. Ursache war wohl der Kaiserschnitt vor drei Jahren. Die Plazentareste befanden sich am unteren Bereich der Gebärmutter an der alten Kaiserschnittnarbe. 

Ab diesem Zeitpunkt war mir nur noch schwindlig, schummrig, und ich fühlte mich ständig benommen. Ob das an dem Blutverlust lag, an der Psyche oder an den Hormonen weiß ich nicht, leider ist es bis heute nicht besser. 

Die dritte Schwangerschaft

Im November 2017 entschieden wir uns für ein drittes Kind. Nach vier Wochen war ich wieder schwanger. 

Ich war überglücklich, mein Schwindel war plötzlich verschwunden (ich denke es waren die Hormone), unser Familienglück schien einfach vollkommen. Außer dem morgendlichen Erbrechen, das ich auch bei den anderen Schwangerschaf-ten hatte, ging es mir gut. Ich zählte die Tage bis zu meinem Mutterschutz, kaufte mir ein Mami-Tagebuch und erzählte meinen Töchtern von unserem Baby.

Doch in der siebenten und achten Woche bekam ich starke Blutungen. Die Plazenta hatte sich bereits verformt, war schon dreieckig und die Ärzte meinten, die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch, dass ich das Kind verlieren würde. Ich nahm Gelbkörperhormone und Antibiotika. Nach zwei Wochen hörte die Blutung plötzlich auf. Ich war glücklich, denn ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch irgendetwas war anders in dieser Schwangerschaft, ich hatte immer wieder Schmerzen unten rechts im Bauchbereich.

12+6 SSW:

Dann kam der Tag, der alles verändern sollte. Es war Mittwoch, ich war mit meinen Kindern noch auf einem Kindergeburtstag. Dort wurde mir ein paarmal etwas schwarz vor Augen, da ich aber immer sehr niedrigen Blutdruck hatte, dachte ich mir nichts dabei. 

Abends war wieder alles gut. Als ich nachts gegen 24 Uhr aufwachte, hatte ich sehr starke Bauchschmerzen, konnte kaum laufen. Ich legte mich aufs Sofa. Plötzlich wurde mir wieder schwarz vor Augen. Ich rief den Krankenwagen. Als die Sanitäter kamen, war mein Puls bereits bei 135 und der Blutdruck bei 90 zu 50. Sie vermuteten, dass es der Blinddarm sei, weil ich rechts unten so starke Schmerzen hatte. Im Krankenhaus angekommen, wurde ein Ultraschall gemacht und mir mitgeteilt, dass es dem Kind auf jeden Fall gut ginge und ich sofort operiert werden müsste, der gesamte Bauchraum wäre voller Blut, sie würden versuchen, das Kind zu retten.

Um 3:00 Uhr nachts wurde ich dann operiert. Ich wachte gegen 7:30 Uhr auf, mein Mann war bei den Kindern, meine Mutter und meine Tante habe ich leider telefonisch nicht erreicht, ich war also ganz allein. Die Ärztin sagte mir, dass ich starke innere Blutungen gehabt hätte aufgrund einer Uterusruptur und dass ich 3 l Blut verloren hätte.

Das Kind konnten sie leider nicht retten.

Ich rief meinen Mann an, sagte ihm dass sie unser Kind herausnehmen mussten, machte die Augen zu und schlief weiter. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich nicht, was wirklich geschehen war. Ich lag nun schon 6 Stunden im Aufwachraum. Eine Ärztin sagte mir, ich hätte immer noch Blut im Bauch und ich müsste erneut operiert werden. Mein HB lag nun bei 5, und ich bekam 3 Blutkonserven.

Ich fragte den Anästhesisten, ob ich diese OP überhaupt überleben werde, und dass ich nicht sterben möchte. Er machte noch Witze und sagte, sie werden nicht sterben, ich habe sie doch bei der ersten OP auch nicht sterben lassen. Die zweite OP dauerte etwas länger, ich denke, es waren so 2-3 Stunden. Sie fanden nicht heraus, warum ich erneut blutete, sie sagten mir im Nachhinein, dass die ganze Gebärmutter geblutet hat. Es war wohl ein Ausnahmezustand oder womöglich eine Gerinnungsstörung.

Gegen 22:00 Uhr wachte ich auf der Intensivstation auf. Ich spürte meinen Körper nicht mehr, überall waren Schläuche in meinem Körper, überall piepte es. Ich konnte weder sprechen noch meine Augen aufhalten, weil ich so voller Medikamente war, dass ich nicht klar denken konnte. Am nächsten Tag kamen immer wieder Ärzte, sie konnten mir keine Antwort darauf geben, wie es in der 13. Schwangerschaftswoche zu einer Uterusruptur kam.

Was war passiert?

Die Vermutung lag nahe, dass sich das Baby auf die alte Kaiserschnittnarbe gesetzt hat und diese durchbrochen wurde. Ich flehte sie an, mir das Kind zu zeigen, doch sie weigerten sich immer wieder und sagten, sie hätten das Kind mit der Plazenta herausgeholt, und dabei sollte ich es beruhen lassen. 

Bis heute bereue ich, dass ich mich nicht durchgesetzt habe, ich weiß nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen geworden wäre, immer und immer wieder googlete ich, wie ein 13 Wochen altes Baby aussieht. Immer wieder frage ich mich, was ich falsch gemacht habe. Habe ich zu viel gearbeitet, war es der Physiotherapeut, der ruckartig mein Bein gezogen hat oder war es wirklich einfach nur Pech, dass sich das Baby falsch eingenistet hat?

Die Frage nach dem Warum und Trauer

Hätte ich doch damals nicht zehn Tage gewartet, dann hätte ich auch keinen Kaiserschnitt gehabt. Hätte, hätte, hätte, doch gibt es keine Antwort darauf, was passiert ist. Keiner kann nachvollziehen, wie es mir in den fünf Tagen auf der Intensiv- station erging. Ich fühlte mich wie in einem Altenheim, ich wurde gewaschen, überall piepste es, niemand redete mit mir und schon gar nicht über das verlorene Kind. Neben mir lag eine Frau, die im Koma lag, ich denke sie lebt heute nicht mehr. 

Als ich nach fünf Tagen auf die Normalstation kam, wurde es nicht besser. Weder die Ärzte noch die Schwestern fragten mich nach meinem Wohlbefinden. Sie säuberten morgens den Schlauch in meinem Bauch, nahmen mehrmals am Tag Blut ab und das war’s auch.

Ich weinte, sobald die Schwester aus dem Zimmer ging, für mich war die Welt nicht mehr wie sie einmal war. Mein Mann kam so oft wie er konnte, auch meine Mama war für mich da, aber keiner konnte verstehen wie ich mich fühlte. Freunde schrieben Nachrichten, sie seien froh, dass ich noch am Leben bin und ich hätte doch zwei gesunde Kinder. Das wollte ich alles nicht hören, denn ich hab ja dieses eine tolle, wunderbare Kind verloren, was genau so geworden wäre wie die anderen zwei Töchter.

Das letzte Bild

Jeden Tag fragte ich die Ärzte, ob sie noch ein letztes Ultraschallbild gemacht hätten, doch jeder verneinte es. Am vorletzten Tag bin ich nachts spazieren gegangen. Ich sah, wie eine Schwester meine Mappe vor sich liegen hatte. Und was lag darin, ein Ultraschallbild. Es war das Letzte, 

1 Stunde bevor ich operiert wurde. Für mich war es perfekt, ein wunderschönes Baby. Wie konnten die Ärzte so kalt sein und behaupten, sie hätten keines gehabt.

Heute, sieben Wochen später, geht es mir körperlich schon wieder sehr gut. Ich fange nächsten Dienstag wieder an zu arbeiten. Ich habe Angst vor den Blicken meiner Kollegen, denn sie wussten ja bereits, dass ich schwanger war. Psychisch geht es mir noch nicht gut, die Ärzte sagten, ich dürfte nie wieder ein Kind bekommen, es sei zu gefährlich. Manchmal gehe ich zu dem Grab (dort wo alle anderen Sternen-Kinder liegen), dann trauere ich für mich, denn die anderen haben ihren Alltag wieder, auch mein Mann. 

Für mich ist es aber ein schweres Trauma, was ich nicht vergessen werde.

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