Natürliche Geburt nach 3 Kaiserschnitten (VBA3C)

Neugeborenes Baby

Heute teile ich einen ganz besonderen Geburtsbericht. Es ist der erste Bericht über eine natürliche Geburt nach 3 Kaiserschnitten, eine VBA3C, auf meinem Blog.

Nun berichtet Jolanda selbst:

Und wie Gabriel das Licht der Welt erblickte… eine natürliche Geburt nach drei Kaiserschnitten.

Jede Schwangerschaft, jede Geburt, jedes Kind- über all das kann jede Frau Geschichten schreiben.

Welten stecken hinter jeder Geschichte, verschiedene Faktoren und Menschen, welche Einfluss auf das Geschehen haben.

Da ich kein Buch, „nur“ einen Bericht verfassen möchte, halte ich die Erzählungen der ersten drei Geburten kurz.

Vor 7 Jahren begann meine Reise als Mutter.

Emelie durfte ich am 6.9.2010 in die Arme schliessen. Unwissend und erstaunt, was mit mir während der Wehenzeit und der Geburt geschah. Ich war schwanger und dachte, dass es das natürlichste der Welt ist und ich auf diesem natürlichsten Weg der Welt gebären würde.

Leider kam es dann anders und mir wurde notfallmässig ein Kaiserschnitt verpasst.

Den Katalog der Indikationen, welche zu diesem Entscheid führten, muss ich hier nicht aufzählen… (den kennen vermutlich alle).

3 Jahre später, am 30.9.2013 kam Sofia zur Welt.

Den Schock der ersten Geburt hatte ich nicht wirklich verarbeitet. Die Zusammenhänge dieser Geschehnisse hatte ich noch nicht wirklich verstanden.

So wurde mir nach 8 Tagen über Termin sehr dringend zu einem weiteren Kaiserschnitt geraten.

Verzweifelt versuchte ich mit allen Mitteln Wehen (richtige Wehen) zu bekommen. Vergeblich.

2 Jahre später, am 1.6.2015 gebar ich Lisa.

Lisa kam nach 3 Tagen Wehen und einer bis zum Kaiserschnitt schönen Geburt zur Welt.

Diesmal war es eine verstärkte Zeichnungsblutung, welche zum dringenden Entscheid für die Schnittgeburt führte.

Den Satz. „So Jolanda, den natürlichen Teil hast du jetzt gehabt, jetzt ist Zeit für den Kaiserschnitt!“ und „Tempo, sonst kommt das Kind noch im Lift zur Welt“ haben sich tief in meine Seele und mein Selbstvertrauen eingefressen.

Nachfolgend nun die Erzählung der Geburt von Gabriel, meinem vierten Kind.

Zahlen, Wochen und genaue Angaben kann ich nur schätzungsweise machen, da sie in dieser SS und für diese Geburt für mich unwichtig wurden…

Als ich wieder schwanger war, entschied ich mich ca in der 24. Woche, keine Arzttermine und Kontrollen mehr wahr zu nehmen.

Ein Gespräch mit dem Arzt, der mich all die Jahre über begleitet hatte, war der Auslöser dafür. Wie in den vergangenen 3 Schwangerschaften, tat ich alles was man tun kann, um sich auf eine Spontangeburt vor zu bereiten. Nur löste ich mich diesmal von allen Menschen, die mich bisher begleitet hatten.

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Ich verstand, dass die Verantwortung für mich, mein Kind und meine Geburt bei mir liegt.

Im Stillen begann ich mich auf eine Alleingeburt vor zu bereiten. Mit der Plattform „Geburt nach Kaiserschnitt“, dem Buch von Ute, mit Frederick Leboyer’s Buch Singen, Atmen, Gebären, mit Youtube- Videos, mit viel Meditation, mit dem Lesen vieler Geburtsberichte, mit vielen Gesprächen und Arbeit mit meinem Mann.

Auf der Suche nach einem Spital, in welches ich fahren könnte, musste ich mir Schlimmes anhören.

Die Alleingeburt war für mich eine Notlösung.

Doch ich wollte einfach darauf vorbereitet sein, falls ich keine Hebamme und kein Spital finden würde.
Mit meinem Umfeld sprach ich wenig bis gar nicht darüber. Da mein Vorhaben bei den meisten Menschen um mich herum Angst hervorrief.

Um die 30. Schwangerschaftswoche ging ich dann in eine Hebammenpraxis zu einer Hebamme, welche selber Zwillinge auf natürlichem Weg geboren hatte.

Mit ihr zusammen erarbeitete ich mir mental Vieles, was ich während der Geburt dann umsetzte.

Und so ging ich dann zu einem Kennenlern- Gespräch in die Paracelsus- Klinik in Richterswil (CH).

Ab diesem ersten Treffen und dem Einverständnis der Frauenärztin mich zu begleiten, war dann für mich klar, dass ich an diesem Ort gebären werde.

In der 38. SSW lernte ich dann die Hebamme kennen, welche als Beleghebamme an meiner Seite sein würde.

Glücklich und voller Zuversicht ging ich nach Hause.

Zweifel hatte ich keine mehr.

Mit dieser Ärztin, der Hebamme und meinem ganz persönlichen Weg dahin, wusste ich, dass alles gut wird. Ich konnte mich fallen lassen. Loslassen. Die Kontrolle abgeben. Ich musste mich nicht mehr mit Dingen beschäftigen, welche mich und meine Geburt stören könnten.

Denn ich wusste, mit dem Beisein meines Mannes, dieser Ärztin und dieser Hebamme, dass ich die richtigen Verhältnisse geschaffen hatte.

Es waren für mich diese Menschen, welche mir gegenüber ein tiefes und ehrliches Verständnis für meinen Wunsch nach einer ruhigen, mir und dem Kind angepassten Geburt aufbrachten.

Und so begannen die Wehen an einem Montagmorgen stärker zu werden. (Ich hatte bei allen drei Mädchen schon einige Wochen vor der Geburt immer wieder wehenreiche Tage und Nächte).

Ich spürte, dass die Geburt ganz gemächlich begann.

Da ich 2h Autofahrt vor mir hatte, war die Abmachung, dass ich mich frühzeitig auf den Weg machen würde. Wir brachten die 3 Mädchen ins Bett und machten uns auf den Weg.

In Richterswil angekommen, kam ich in den Genuss der Praxisräume von JUNA, welche noch im Aufbau war, aber genau für Frauen wie mich gedacht ist. (Eine Praxis, geführt von einer Ärztin und zwei Hebammen, 3 Minuten vom Spital entfernt, eingerichtet wie eine gemütliche Wohnung)

Nachts wurden die Wehen weniger und ich schlief dann irgendwann ein.

Am Morgen machte sich mein Mann auf den Weg nach Hause. Ich blieb da. Auch ohne Wehen spürte ich, dass es nicht mehr allzu lange dauern würde. Zudem hatte ich die Möglichkeit, auch einige Tage da zu bleiben und wieder nach Hause zu gehen, falls es noch nicht soweit war.

Den Dienstag verbrachte ich gemütlich.

Schlafen, essen, spazieren, die Ruhe geniessen, meditieren, Wehen haben. So verging der Tag.

Anja wuselte ab und an in der Praxis rum, eine fröhliche Stimmung war zu spüren, da die drei Frauen der Praxis den letzten Schliff verliehen, während ich einfach da sein durfte.

Abends ging ich dann bald ins Bett.

Die Wellen waren den ganzen Tag über da.

Regelmässig, unterschiedlich intensiv. Mit Anja war ich immer mal wieder im Kontakt. Das gab mir Sicherheit und ich fühlte mich geborgen.

Irgendwann dann, so um 22 Uhr, erwachte ich mit starken Wehen.

Bis 23 Uhr war ich konzentriert am veratmen, dann platzte die Fruchtblase. Ich rief Anja und meinen Mann an.

Beide machten sich auf den Weg zu mir. Anja war nach 10 Minuten da und untersuchte mich. Dann machten wir ab, dass ich einfach auf sie zukomme, wenn ich was brauche.

Sie legte sich neben mich ins Bett und schlief da. War da für mich.

2 Stunden später kam mein Mann dazu. Er legte sich auf die andere Seite des Bettes und schlief auch. Und so hatte ich einige Stunden Wehen zwischen diesen beiden schlafenden, lieben Menschen. Irgendwann stand ich dann auf und begann zu gehen in der Wohnung.

Atmen und gehen. Mit der Sicherheit und dem guten Gefühl, nicht alleine zu sein. Unterstützung und Hilfe zu bekommen, wenn ich das dann benötige.

Die beiden schliefen bis ca 7 Uhr. Anja war immer mal wieder kurz wach und schaute nach mir, nach dem Baby, nach dem Muttermund.

Am Morgen fuhren wird dann ins Spital.

Die Wehen wurden von Stunde zu Stunde intensiver, die Abstände kürzer. Im Spital angekommen gab es Frühstück und Kaffee. Eine muntere Stimmung war zu spüren.

Ich verrichtete meine Geburtsarbeit ganz in Ruhe.

Anja, mein Mann, Frau Eberhard und ich. Niemand sonst.

Keine unnötigen Störungen. Keine Untersuchungen ohne meine Einwilligung. Keine Medikamente, keine Schmerzmittel.

Einfach ich, die Wehen und diese drei Menschen, welche mich unglaublich positiv, zurückhaltend und liebevoll begleiteten und unterstützten.

Kein Stress, dass der Muttermund zu wenig schnell aufgehen würde.

Keine piepsenden Geräte oder Telefone. Nur Ruhe. Und kurze Absprachen.

Immer mal wieder besprachen wir uns, wie es weitergehen könnte. (Badewanne, frische Luft, anthroposophische, pflanzliche oder homöopathische Unterstützung, Toilette, Essen, Trinken, Schlafen, Musik, Duft…)

Der Tag verging, die Geburt schritt gemächlich voran.

In Wehenpausen wurde nicht von Geburtsstillstand gesprochen. Ich konnte essen, trinken und mich ausruhen. Und danach wieder weiter gebären.

Um ca 16 Uhr ging es dann plötzlich vorwärts.

Die Wehen waren herausfordernd. Das Atmen und Gehen war wichtig. Der Übergang in eine nächste Phase hatte stattgefunden.

Rasant öffnete sich in den letzten 2 Stunden der Muttermund.

Ziemlich lange noch war Gabriels Köpfchen abschiebbar, doch das schien nicht sehr wichtig. Dann kam wieder diese Blutung. Eine Blutung, welche Anspannung auslöste, da unklar war, woher sie genau kam. (Wie bei Lisas Geburt).

Bis dahin verbrachte ich die gesamte Geburt in meiner Hypnose und Meditation. Anja schaute mich durchdringend an und wies mich an, nun mit viel Druck zu arbeiten und nicht mehr mit „Herausatmen“ dem Kind Platz zu machen.

Frau Eberhard forderte mich auf in Rückenlage zu gehen und mit Druck zu schieben. Mein Mann half tatkräftig mit.

Ein kurzer kritischer Moment. Diese Blutung.

Ich fühlte das Köpflein. Ich bin eine Königin, dachte ich mir. Weiterschieben. Drücken. Pressen. Alle halfen mit. Es war richtige Teamarbeit. Ich schaute Frau Eberhard an und fragte sie, ob ich nun wirklich gebären könnte, denn ich konnte es kaum glauben.

Der Kopf. Der Körper. Gabriel bei mir.

Die Anspannung blieb. Das Kind war unversehrt. Woher kam die Blutung?
Mit 2 Akkupunktur- Nadeln von einer erfahrenen Ärztin gesteckt, welche für diesen Moment extra hinzu gekommen war, gebar ich dann eine schöne und unversehrte Plazenta.

Das Blut kam von einem tiefen Vaginalriss und war völlig unproblematisch.

Erschöpfung. Glückseligkeit. Friede. Stille. Liebe.

Gabriel in meinen Armen. Ich habe ihn zur Welt gebracht.

Welch ein Wunder! Welch ein Glück!

Danke Gabriel, ein gesunder und starker Junge.

Danke Michi, ein wundervoller Mann. Danke Anja, eine einfühlsame, starke Frau.

Danke Frau Eberhard, eine im stillen wirkende, starke Frau.

8 Kommentare, sei der nächste!

    1. Wenn Du magst, kannst Du den Bericht auch gerne bei Dir verlinken. Ich habe den Kontakt zu den Hebammen, die das begleitet haben, gesucht und gefunden. Kürzlich durfte ich eine der Hebammen dann in der Schweiz auf einer Fortbildung kennen lernen, die ich gemeinsam mit Dr. Bärbel Basters-Hoffmann in Olten gehalten habe.

  1. Großartig! Und wieder einmal zeigt sich, wie wichtig die richtige Begleitung in dieser besonderen Phase im Leben einer Frau, einer Mutter ist. Auch für mich war bei der vba2c das wichtigste, dass mein Geburtsteam voll hinter mir und meinem Wünschen dreht.
    Danke für diesen Bericht und deinen Mut, diesen Weg zu gehen und ihn mit uns zu teilen.

  2. Vielen vielen dank für diesen wundervollen Beitrag. Es macht mir so Mut. Auch ich strebe eine VBAC an und werde von Frau Eberhard im Paracelsus begleitet. Sie ist wundervoll und das hier zu lesen bestärkt mich noch viel mehr in meinem Wunsch! Danke!!!

  3. Danke für deine Ermutigung!!! habe lange nach so einem Bericht gesucht;) hatte auch schon 3 KS…. den Wunsch nach einer natürlichen Geburt habe ich noch nicht begraben! LG

  4. Hallo Liebes,
    Ich hätte auch 3 ks 2010-2012-2015 und möchte erneut schwanger werden .
    Der Wunsch nach einer vsginalen Entbindung war schon ab dem 2 Kind da doch jedes Mal wurde mir von der Klinik zum Kaiserschnitt geraten .
    Bei dem ks 2012 stellte dich auch heraus das es gut war da Joelina 3x die Nabelschnur um den Hals hatte .
    Ich würde so gerne normal entbinden aber meinst du ich könnte das schaffen ? Ist das Risiko einer Ruptur so groß und sollte ich den letzten op (ks Bericht von 2015) anfordern ?

    1. Hallo liebe Kiki, Ich kann Dir leider nicht vorhersagen, wie Deine nächste Schwangerschaft und Geburt verlaufen werden. Aber wenn Du Dich vorbereitest und rechtzeitig damit beginnst, Dich in verschiedenen Kliniken vorzustellen, mit der Frage, ob sie Dich grundsätzlich dabei begleiten würden, hast Du, so wie die Mütter, deren Berichte zunehmend veröffentlicht werden, eine Chance.

      Zu diesen Gesprächen brauchst Du zwingend alle OP Berichte und idealerweise, wenn Du zuvor Wehen hattest, auch die Berichte aus dem Kreissaal.

      Das Rupturrisko ist sowie schon individuell sehr verschieden. Es spielen viele Faktoren mit hinein. Es kommt unter anderem darauf an, ob Dein Baby normal schwer ist, der Abstand zwischen den Geburten > 1Jahr ist und keine Einleitungsversuche stattfinden und es kommt auf jeden Fall auf die Schnittführung an der Gebärmutter an. Ein hoher Längsschnitt wäre z.B. ein Grund, Dir keine natürliche Geburt zu empfehlen.

      Komme doch, wenn Du es nicht schon bist, in die Facebookgruppe „Natürlich und Selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt (VBAC)“. Dort gibt es viele Gleichgesinnte und inzwischen auch einige Mamas, die nach 3 Kaiserschnitten natürliche Geburten erlebt haben.

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